Kurzinterview mit Fabio Schmidberger von voize

  • Liebes voize-Team, stellt euch doch einmal kurz vor - was genau macht ihr?

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    Ich bin Fabio Schmidberger, Geschäftsführer bei voize. Wir entwickeln einen Sprachassistent für medizinische Dokumentation. Damit können Pflegekräfte und Ärzte frei in ein Smartphone Dokumentation einsprechen und die voize KI generiert daraus einen strukturierten Dokumentationseintrag, den wir dann in bestehende Pfelgesoftwarellösungen übertragen. Das heißt man kann frei einen Blutdruckdokumentationseintrag einsprechen und am Ende landet im PC-System von dem Krankenhaus der korrekte Dokumentationseintrag. Ich arbeite zusammen mit meinem Zwillingsbruder Marcel und Erik Ziegler an dem Projekt. Wir haben alle einen Hintergrund im Software Engineering, sind inzwischen aber auch Experten für Pflegedokumentation. Es macht wirklich Spaß, mit Pflegekräften in den Pflegeheimen zusammenzuarbeiten und so den Arbeitsaufwand, der durch Dokumentation anfällt, zu reduzieren.

  • Wie kamt ihr zu eurer Idee?

    Mein Opa ist ins Pflegeheim gekommen und da haben wir immer wieder gesehen, wie Pflegedokumentation erstellt wird. Für ihn gab es eine Positionierungs- oder Lagerungsdokumentation. So heißt es, wenn man im Pflegeheim notiert, wie bettlägerige Bewohner gelagert werden. Das ist ganz besonders wichtig, wenn fehlende Mobilität vorhanden ist, da man sich sonst an Stellen wund legen kann. In dem Pflegeheim von meinem Opa war es so, dass eine Liste an der Wand hing, in welche die Pflegekraft die Sachen eingetragen hat und einen Zeitstempel und ihre Unterschrift hingesetzt hat. Am Ende der Schicht wurden diese Zettel genommen und am Computer abgetippt. Mit technischem Hintergrund haben wir uns dann gedacht, dass das doch irgendwie eleganter gehen muss. Im Konsumerbereich hat man immer das Smartphone dabei und macht sich Notizen oder schreibt schnell eine Nachricht auf WhatsApp. Deshalb war unser Gedanke: So schnell und einfach, wie man eine Sprachnachricht in WhatsApp an jemanden schicken kann, während man gerade von der S-Bahn in den Bus umsteigt, so schnell und einfach soll man eben auch medizinische Dokumentation erfassen können. Wir haben dann angefangen mit der Caritas Stuttgart zusammenzuarbeiten und uns den Pflegedokumentationsprozess genau anzuschauen. Dann haben wir eine Smartphone App entwickelt, die aus dem Gesprochenen, also sozusagen aus der WhatsApp-Sprachnachricht, automatisch die Inhalte rauszieht und einen strukturierten medizinischen Eintrag generiert. Es war lange ganz schwierig, diesen Eintrag, den wir bei uns in der App erstellt haben, in bestehende Softwarelösungen zu übertragen. Es hilft nämlich tatsächlich nicht besonders viel, wenn Pflegekräfte die voize-App benutzen und auch ihren Eintrag schnell und einfach in die App einsprechen, wenn dieser Eintrag dann nicht in der korrekten Form mit der korrekten Nutzerauthentifizierung in einem bestehenden System landet. Zwar haben alle Pflegeeinrichtungen schon Softwarelösungen, die sie für Dokumentation nutzen, die sind aber eben PC-basiert und nicht mobil. Die Einträge müssen am Ende trotzdem in dem System landen. Seit einem halben Jahr arbeiten wir hier jetzt mit Connext Vivendi zusammen, die sind der größte Anbieter für stationäre Pflegesoftware und haben auch eine Schnittstelle dazu. Deshalb werden sich ganz viele neue Möglichkeiten ergeben, hier auch mit einem größeren Anbieter in dem Markt zusammen zu arbeiten und deren Schnittstelle nutzen zu können.

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    Wie kamt ihr zu eurer Idee?

  • Wie hat euch die Teilnahme bei Generation-D geholfen, euer Ziel zu erreichen?

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    Besonders schön beim Generation-D Wettbewerb ist, dass man nochmal zwei Schritte zurückgehen kann. Man arbeitet täglich an seiner Anwendung und kümmert sich um die kleinen Probleme und auch wie der Endanwender mit diesen umgeht. Aber wenn man dann nochmal an so einem Wettbewerb teilnimmt und da die größeren Komponenten wichtig sind, wie das Business Modell oder die Go-to-Market Strategie, dann hat man nochmal die Möglichkeit herauszuzoomen. Man kann nochmal genau auf diese anderen Komponenten des Unternehmens draufgucken, die im alltäglich Arbeitsumfeld etwas untergehen. Da war es eine große Chance für uns, die grundlegenden Komponenten von einem Start-Up und auch unserem Business Modell nochmal zu evaluieren und hierzu Feedback zu bekommen. In dem Lauf haben wir eben auch Abwandlungen von dem Modell durchgeführt und so am Ende das grundlegende Business deutlich solider aufstellen können.

  • Was hat sich seit eurer Teilnahme bei Generation-D getan, also wie ging es danach für euch weiter?

    Ende September ist die zweite Piloteinrichtung bei uns live gegangen. Bereits vor Generation-D waren wir in einer Testeinrichtung bei einem Pilotkunden, die voize angewendet hat. Seither sind wir noch bei einer zweiten Pflegekette, die auch wieder viel Feedback gegeben hat. Was wir grundsätzlich auch verändert haben ist, dass die Kernkomponenten unserer voize App jetzt auch als Entwicklungspaket zur Verfügung stehen. Einer der Feedback-Punkte beim Generation-D Wettbewerb war, dass es für Anwender schwierig sein kann umzusteigen, wenn diese schon bestehende Anwendungen, auch für Mobiltelefone, benutzen, vor allem im ambulanten Pflegebereich, wo Smartphone Apps schon recht etabliert sind. Wir werden dann auch die Kernspracherkennungskomponenten als Entwicklungstool zur Verfügung stellen. Das ist schon in der Connext-Mobil Smartphone App mit integriert und kann so auch für die ambulante Pflege genutzt werden. Zudem haben wir viel an unseren KI-Verfahren gearbeitet. Da haben wir noch vor Generation-D mehr auf Standardkomponenten und Open-Source-Tools gesetzt und in der Zwischenzeit deutlich mehr von den Tools inhouse entwickelt, an unsere Anwendungsfälle angepasst und auch eine komplette Machine Learning Pipeline dazugebaut. Das heißt, eine Pflegekraft spricht heute etwas in der voize App ein und wir nutzen die eingesprochenen Sachen, um die Erkennung weiter zu verbessern. Am nächsten Tag ist dann zum Beispiel ein neues Spracherkennungsmodell trainiert, sodass Fehler, die am Tag davor passiert sind, in Zukunft nicht mehr passieren.

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    Was hat sich seit eurer Teilnahme bei Generation-D getan, also wie ging es danach für euch weiter?

  • Was sind eure Visionen für die Zukunft, wo soll es hingehen?

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    Wir sehen beim Ausfüllen von Formularen ein großes Potential. Es gibt so viele Anwendungsfälle, zum Beispiel in der Pflege, aber auch im Krankenhaus oder bei den Hausärzten, in denen tagtäglich Formulare ausgefüllt und administrative Tätigkeiten von Fachexperten durchgeführt werden. Hier ist es unser Ziel, mit einem KI-System automatisch Formulare ausfüllen zu können und andere administrative Aufgaben abzunehmen. Hier starten wir gerade eben in der stationären Altenhilfe, erweitern das jetzt mit dem voize SDK, das wir in den letzten Monaten gebaut haben, auch auf die ambulante Pflege und dann kommt das Ganze in Krankenhäuser und die Intensivpflege. Danach kann man das auch schön für Hausärzte erweitern. Da gibts darüber hinaus noch andere Anwendungsfälle. Ein interessanter Use Case, zu dem wir jetzt auch angesprochen wurden, ist zum Beispiel, dass im TÜV-Bereich bei Prüfungen auch Formulare ausgefüllt werden müssen. Die wünschen sich natürlich auch, dass man das per Smartphone App direkt einsprechen kann und dann das Formular automatisch generiert wird. Das heißt, da ist in vielen Bereichen viel zu tun. Wir legen gerade die Grundsteine, dass die ganze Machine Learning Pipeline gut funktioniert, eine hohe Genauigkeit hat und dann im Anschluss, dass auch weiter Use Cases optimiert werden können.

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen euch im Namen des gesamten Generation-D-Teams weiterhin viel Erfolg!

(Interviewzeitpunkt: 27.11.2020)