Interview mit Johanna und Jaane von recoupling

  • Liebes recoupling-Team, stellt euch doch einmal kurz vor. Was genau macht Ihr?

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    Johanna: Wir sind Johanna Lubig und Jaane Henning, beide Psychologinnen und Paartherapeutinnen, haben zusammen im Master an der FU Berlin studiert und uns da kennengelernt. Wir entwickeln mit recoupling eine digitale und intelligente Paartherapie-App, die es Paaren und Paarkonstellationen ermöglicht, mit professioneller Unterstützung an ihrer Beziehung zu arbeiten. Dafür digitalisieren wir die wirksamste Paartherapieform und kombinieren sie mit einem intelligenten Feedback-Prozess. Die Emotionsfokussierte Paartherapie setzt den Fokus auf die Stärkung von Bindung des Paares/der Paarkonstellation. Wir verbinden das Ganze mit einem Feedbackprozess, der es dem/der Nutzer*in kontinuierlich und in Echtzeit ermöglicht Therapie-Feedback zu geben. Sie werden regelmäßig unter anderem gefragt: Wie hat es dir gefallen? Was bräuchtest du, um noch bessere Fortschritte erzielen zu können? Ein Algorithmus und Machine Learning werden helfen, den Paaren passgenau die Therapieinhalte anzubieten, die sie brauchen, um in ihrer Beziehung glücklicher zu werden. 

    Jaane: Der Feedbackprozess (Feedback-Informed-Treatment) ermöglicht es uns zudem, die hohe Dropout Rate einzudämmen, die es in der Online-Therapie gibt. Durch FIT können wir unser Angebot an die Bedürfnisse des Paares/der Paarkonstellation anpassen und somit 50% der Therapieabbrüche, die es laut Studienlage gibt, verhindern. FIT hilft uns dabei, die Qualität der Therapie und der App zu verbessern. Aus diesem Grund haben wir viel Wert auf den Feedbackprozess gelegt. Zufriedene Paare bleiben schließlich eher am Ball und geben nicht so schnell auf. 

    Uns ist außerdem ganz wichtig, dass das Angebot alle Paare und Paarkonstellationen einschließt. Wir möchten Menschen ganz unterschiedlicher sexueller Orientierung und Beziehungsformen ansprechen und erreichen, da diese sich in bisherigen Angeboten nicht wiederfinden.

  • Wie kamt ihr zu eurer Idee?

    Jaane: Johanna und ich haben beide zusammen im Master studiert und haben da schon viele Uni-Projekte gemeinsam sehr erfolgreich abgeschlossen. Wir haben früh gemerkt, dass wir sehr gut zusammenarbeiten und uns auf die Arbeit des anderen verlassen können. Wir haben irgendwann zusammengesessen und beschlossen, dass wir gerne zusammen gründen möchten. Ich habe kurz vorher in Kopenhagen studiert und hatte dort das Glück ein Seminar bei einer Dozentin zu belegen, die auch Paartherapeutin ist und viele neue Erkenntnisse vorgestellt hat. Johanna und ich haben uns an ihren Forschungsergebnissen und ihrer Paartherapieform orientiert und sind auf die Idee gekommen, dass wir die Paartherapie in die digitale Welt tragen wollen. Eine digitale Paartherapie nach den neuesten Studien und Erkenntnissen, die in Deutschland noch fast unbekannt sind, aber in Dänemark und anderen skandinavischen Ländern und in den USA schon sehr oft genutzt werden.

    Johanna: Uns ist bei vielen Freundinnen und Freunden oder auch Familie aufgefallen, dass es wirklich häufig Themen in Partnerschaften und Beziehungen gibt, die für die Personen schwer oder auch gar nicht zu lösen sind. Mit etwas Hilfe von außen scheinen die Themen auf einmal gar nicht mehr unlösbar – manchmal reicht schon ein angeleitetes Gespräch und aktives Zuhören aus. Wir selbst haben nach digitalen Therapieangeboten für Paare gesucht – aber kein Angebot gefunden, das wir gerne genutzt hätten. Kein Angebot, das modern und ansprechend ist und auch ein bisschen Lust darauf macht, an der eigenen Beziehung zu arbeiten. Schließlich sollte das ganz normal sein, an der eigenen Beziehung zu arbeiten, gerade wenn man mit einer anderen Person sehr eng zusammen ist oder viel Zeit verbringt. 

    Jaane: Aber bis jetzt ist klassische Paartherapie leider ziemlich teuer, stigmatisiert und hochschwellig. Es macht keinen Spaß an seiner Beziehung zu arbeiten. Es ist oft das letzte Mittel, das genutzt wird, bevor man sich trennt. Und genau das wollen wir ändern. Wir wollen es so einfach und so spielerisch wie möglich machen, an der Beziehung zu arbeiten.

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    Wie kamt ihr zu eurer Idee?

  • Wie hat euch die Teilnahme an Generation-D geholfen, euer Ziel zu erreichen?

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    Johanna: Generation-D war für uns die Gelegenheit endlich ins Machen zu kommen. Wir haben diesen Monat beide angefangen Vollzeit an recoupling zu arbeiten. Der Wettbewerb hat uns vor die entscheidende Frage gestellt: Wollen wir das wirklich machen? Können wir das? Ist unsere Idee sinnvoll? Gibt sie Menschen etwas? Ist unsere Idee vielleicht sogar cool?  Generation-D gab uns Klarheit: Natürlich können wir das, und wollen tun wir es umso mehr. Es ist toll, dass man bei Generation D ganz niedrigschwellig und ohne Angst etwas Großes gewinnen kann. Es gibt ja auch viele Wettbewerbe, bei denen die Startups schon gegründet haben und seit einem Jahr Vollzeit daran arbeiten. An dem Punkt waren wir noch nicht, es hat trotzdem geklappt.

    Jaane: Es war eine total schöne Erfahrung, weil wir in der Vorbereitung unsere Idee richtig penibel ausfeilen konnten und im Finale das erste Mal vor Publikum gepitcht haben. Wir haben vorher nur im Zuge des Berliner Startup Stipendiums gepitcht, das war dort aber ein viel kleinerer Kreis, der uns zugeschaut hat. Von daher war es schön in einem größeren Kontext unsere Idee vorzustellen. Der zweite Platz und das Preisgeld waren dann die Krönung. Der Mentor, den uns Generation D gestellt hat, bringt frischen Wind in unser Konzept und hilft uns damit sehr. Wir haben uns beim Wettbewerb wohl gefühlt und sehr gut beraten.

  • Was hat sich seit eurer Teilnahme an Generation-D getan, also wie ging es danach für Euch weiter?

    Jaane: Seitdem hat sich sehr viel getan: Wir haben unsere Idee konkretisiert und ein erstes Mock-up gebaut. Dabei stellen Johanna und ich die Bedürfnisse der Nutzer*innen in den Mittelpunkt und entwickeln unsere Produkte im ständigen Austausch mit potenziellen Nutzer*innen. In unserer aktuellen User Research-Studie überprüfen wir die Inhalte unseres Prototypen. Ein neues Teammitglied ist dazu gestoßen, einen ITler, der Tom, der jetzt ab ersten Dezember auch zu recoupling dazugehört. Das Preisgeld ermöglicht uns Tom, der gerade frisch mit der Uni fertig ist, einen erfahrenen Programmierer zur Seite zu stellen. So können die beiden möglichst schnell den Prototypen bauen, sodass wir ab nächstem Frühling voraussichtlich in die Test-Phase übergehen können. Das ist echt cool, dass das jetzt viel schneller geht als ohne euch.

    Außerdem haben wir unsere erste Social Media Strategie entwickelt. Und unser erstes recoupling Produkt gelauncht: das Lockdown-Spiel. Damit ermöglichen wir es Paaren/Paarkonstellationen konfliktreiche Themen spielerisch im Lockdown zu klären.

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    Was hat sich seit eurer Teilnahme an Generation-D getan, also wie ging es danach für Euch weiter?

  • Was sind eure Visionen für die Zukunft?

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    Johanna: Ich fange mal mit dem kleinen Ausblick an. Wir bewerben uns für EXIST, schreiben gerade das Ideenpapier und hoffen, dass wir dann die Möglichkeit haben, das Ganze nächstes Jahr auf die Produktentwicklung zu verwenden. Der Markteintritt ab Anfang 2022 mit dem fertigen Produkt, das wäre richtig cool. Und wenn wir dann größer denken, sehen wir recoupling als Akutprodukt für Leute, die Beziehungsprobleme haben, aber auch in Richtung Prävention, um dann mit Krankenkassen zusammenzuarbeiten, sodass jedem Menschen die Möglichkeit zuteilwird, an ihrer Beziehung niedrigschwellig arbeiten zu können.  Ein großes Anliegen von uns bleibt, dass Paartherapie etwas ganz Normales und Natürliches wird. Wir werden nämlich manchmal etwas belächelt mit Sätzen wie diesem: „Ich bin übrigens seit 30 Jahren total glücklich verheiratet, also Paartherapie brauche ich überhaupt nicht, für andere ist das ja vielleicht etwas“. Da denken wir: Wenn du und deine Partner*In zu dem minimalen Prozentsatz gehört, die keinerlei Probleme haben, dann ist das wunderbar. Wir haben aber das Gefühl, dass es häufig einfach noch nicht so cool ist, an der Beziehung zu arbeiten. So, als sei es ein persönliches Versagen. Da möchten wir gerne, dass sich die Gesellschaft in diesem Bereich entwickelt. 

    Jaane: Es ist uns außerdem ganz wichtig, Menschen durch unser Angebot glücklicher zu machen.

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen euch im Namen des gesamten Generation-D-Teams weiterhin viel Erfolg!

(Interviewzeitpunkt: 27.11.20)