Interview mit Vanessa von KNOWBODY

  • Liebes KNOWBODY-Team, stellt Euch doch einmal kurz vor. Was genau macht Ihr?

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    Hallo, ich bin Nessi von KNOWBODY. Caro, Fabian und ich entwickeln gemeinsam eine Sexualkunde-App für den Schulunterricht, die ab der siebten Klasse einsetzt werden kann. Die App soll Schüler:innen verlässliche und wissenschaftlich aktuelle Informationen zu Sexualität und allen im Lehrplan verankerten Themenbereichen (z.B. Verhütung, Beziehungen, Körperbild) bereitstellen. Ziel ist es, ein digitales Lehrmittel zu schaffen, das Lehrer:innen bei der Unterrichtsgestaltung unterstützt und den Schüler:innen auch darüber hinaus als vertrauenswürdiges Informationsmittel zur Verfügung steht. Durch die kreative Aufbereitung der Lerninhalte in einer App, werden Schüler:innen dazu angeregt, sich über ein ihnen vertrautes Medium mit der für ihre Entwicklung so wichtigen Thematik zu beschäftigen. So möchten wir sicherstellen, dass Jugendliche in Deutschland verantwortungsbewusste Entscheidungen in Bezug auf ihre Sexualität treffen können.

  • Wie kamt Ihr zu Eurer Idee?

    Die Idee ist während des Masterstudiums entstanden, da haben Caro und ich uns kennengelernt. Wir haben am Bodensee studiert, Caro Management und ich Politikwissenschaft. Wir saßen – wie wahrscheinlich einige Gründungsstories begonnen haben – in der Mensa und haben uns über viele Dinge unterhalten, häufig auch über Sexualität, und haben festgestellt, dass viele unserer Mitmenschen sehr wenig Ahnung von diesem Thema hatten, uns dann fragend anguckten und wir es selbst auch nicht besser wussten. Ziemlich schockierende Mythen wurden da verbreitet, beispielsweise, dass beim Oralverkehr keine sexuell übertragbaren Infektionen übertragen werden können oder dass eine Frau garantiert nicht schwanger werden kann, während sie ihre Tage hat. Das waren alles so Fakten, die man sicher wissen müsste, ohne selbst noch mal nach zu googlen, weil irgendjemand es einem beigebracht haben sollte. Wir haben uns dann gefragt, warum uns das keiner beigebracht hat und festgestellt, dass auch heutzutage nur die Hälfte der Jugendlichen von den Eltern aufgeklärt wird. Die andere Hälfte und an sich auch alle sind daher darauf angewiesen, dass diese Themen in der Schule besprochen werden. Dort sind, unseren eigenen Recherchen zufolge, die Materialien sehr veraltet und teils auf dem gleichen Stand, den wir noch aus unserem Sexualkundeunterricht in Erinnerung hatten – und das waren nicht die positivsten Erinnerungen. Zugleich hören wir auch immer wieder Aussagen wie „meine Lehrerin war zufälligerweise krank in den Wochen, in denen Sexualkunde besprochen hätte werden sollen“ oder „er hat sich so beschämt da vorne hingestellt, dass nur das Nötigste besprochen wurde, viele andere Themen aber ausgelassen wurden“. Durch unsere Recherche kamen wir dem Kern des Problems immer näher: Lehrkräfte werden im Laufe Ihres Studiums oft nicht auf Sexualkundeunterricht vorbereitet; zudem fehlen gute und moderne Materialien. Da haben wir die Möglichkeit gesehen, mit einer Lösung aus dem digitalen Bildungsbereich anzusetzen und das Ganze zu modernisieren und zu revolutionieren. Deswegen haben wir beschlossen, eine Sexualkunde-App zu entwickeln.

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    Wie kamt Ihr zu Eurer Idee?

  • Wie hat Euch die Teilnahme bei Generation-D geholfen, Euer Ziel zu erreichen?

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    Das Finale hat uns natürlich sehr geholfen. Vor Menschen zu pitchen ist immer schön, weil man viel Input von anderen Leuten kriegt, andere Gesichtspunkte und andere Perspektiven kennenlernt. Die Jury hat uns auf jeden Fall gutes Feedback gegeben. Auch das Team von Generation-D selbst und die anderen Teams kennenzulernen war sehr cool. Wir haben den Publikumspreis und dadurch eine Beratung durch die studentische Beratungsfirma 180 degrees gewonnen, was uns natürlich besonders gefreut hat. Letzte Woche war der Kick-Off für unser Projekt. Da konnten wir wertvolle Fragestellungen für uns reingeben, die jetzt bearbeitet werden. Vor allem im Bereich Markteintritt, Sales und Strategie werden wir unterstützt und sind auf jeden Fall sehr froh, dass sich ein Team damit auseinandersetzt, welches sich damit auskennt, mit echt coolen Leuten, die sich schon im Bildungsbereich engagiert haben und uns mit neuen Perspektiven unterstützen können. Das Preisgeld an sich hilft natürlich auch, da wir gerade dabei sind unseren Prototyp zu bauen und jetzt endlich Kreativarbeit zum einen selbst leisten können, zum anderen aber auch einkaufen können und müssen, beispielsweise Illustrationen für die App. Vielleicht gibt es also bald einen 3D-Uterus, der Teil der App ist, und sozusagen von Generation-D gesponsort wurde.

  • Was hat sich seit Eurer Teilnahme bei Generation-D getan, also wie ging es danach für Euch weiter?

    Seit Generation-D sind wir hauptsächlich dabei unseren Prototypen zu entwickeln, weil wir dank Generation-D, aber auch anderen Start-Up-Töpfen, die wir aktivieren konnten, jetzt die finanziellen Mittel haben, um die Inhalte zu entwickeln und Leute mit ins Team zu holen. Denn wir hatten im Team selbst bisher keine Sexualpädagog:innen und brauchen daher die inhaltliche Expertise. Wir haben jetzt zwei Freelancerinnen dabei, die mit uns die Inhalte machen und eine UX/UI-Designerin, die das Design der App mit übernimmt. Mit denen können wir zusammen im Team die ersten Klick-Dummys und dann auch den ersten Prototypen entwickeln, den wir nächstes Jahr vorstellen und in Pilotklassen testen möchten. Dabei werden wir auch die Expertise aus der studentischen Beratung mitaufnehmen können, um zu wissen, wen wir zuerst wie und wo ansprechen. Es tut sich seit Generation-D also sehr viel und wir sind gut beschäftigt. Aber auf jeden Fall ist das die Phase, die mit am meisten Spaß macht, weil man jetzt natürlich in die konkrete Umsetzung geht.

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    Was hat sich seit Eurer Teilnahme bei Generation-D getan, also wie ging es danach für Euch weiter?

  • Was sind eure Visionen für die Zukunft, wo soll es für euch hingehen?

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    Wir wollen nächsten Jahr mit Pilotschulen in NRW starten und unseren Prototyp testen, gegebenenfalls auch in anderen Bundesländern, die sich dafür interessieren. Wir haben Lehrkräfte aus ganz Deutschland, die sich schon auf KNOWBODY freuen. Da wir mit dem Unternehmen hier in NRW sitzen wollen wir auch hier starten und uns dann natürlich auf alle anderen 15 Bundesländer ausweiten. Da Sexualkunde ja an sich überall gleich funktionieren sollte, gehen wir davon aus, dass das in allen 16 Bundesländern gut klappt. Wir hätten dann auch nichts dagegen, in weitere Länder zu gehen. In unserer Utopie-Welt haben wir irgendwann eine sehr gut funktionierende GmbH, die unseren Verein finanziert, mit dem wir Sexualaufklärung weltweit betreiben und die App in andere Sprachen, in andere Kulturkontexte übersetzen, auch in leichter Sprache anbieten, in möglichst vielen verschiedenen Versionen, damit KNOWBODY möglichst viele Menschen erreicht. Wir möchten das Ganze auch mit Workshops, Vorträgen unterstützen, um den sexuellen Bildungsaspekt unser ganzes Leben lang voranzutreiben.

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen euch im Namen des gesamten Generation-D-Teams weiterhin viel Erfolg!

(Interviewzeitpunkt 27.11.20)